Lawine Torrèn | Dido in Tunis, Spurensuche in Karthago

“Königin Dido, alias Elissa, die Gründerin der antiken Metropole Karthago, weist in vieler Hinsicht moderne Züge auf: sie ist eine Frau an führender Position eines Machtzentrums, das seinen Einfluss auf Handelskraft gründet. Beinahe wäre aus ihrer Erfolgsgeschichte eine afrikanische Leitkultur für Europa erwachsen. Beinahe, denn wie wir alle wissen hatte Cato mit seinem “ceterum censeo” Erfolg”, so beschreibt Hubert Lepka die Hintergründe für diese Recherche in Nordafrika.

Der Erfolg des Gletscherschauspiels Hannibal in den Ötztaler Alpen zeigt auf, wie aktuell diese Geschichte immer noch ist. Für die Initiatoren aus Sölden und das Tunesische Fremdenverkehrsamt Grund genug, die Idee der “performativen Archäologie” weiterzugeben und ein Pilotprojekt in Tunesien zu starten.

Treffpunkt Karthago
Ein kleines Team des österreichischen Künstlernetzwerks Lawine Torrèn brach im Jänner 09 nach Karthago auf. Karthago in Tunesien – dort wo heute Tunis ist. Geführt von Béatrice Chicanaux, der Pressesprecherin des Tunesischen Fremdenverkehrsamtes in Wien, trafen Regisseur Hubert Lepka, der Söldener Ernst Lorenzi und die Choreografin und Schauspielerin Marion Hackl auf eine Gruppe von Tunesiern, die sich ebenfalls mit Dido, Hannibal und der punischen Vergangenheit des Ortes beschäftigen.

Mouldi Hammami studierte Germanistik in Salzbug und lebt nun in Hammamet. Er erschloss das historische Karhago und die Ruinenstadt Thugga für das Vorhaben. Mongi Loukil ist Hoteldirektor, erbaute am Hügel von Karthago zu Ehren der antiken Königin seine Villa Didon – ein entspannter, zeitgenösisch-moderner Hotelbau an spektakulärem Bauplatz. Dort traf die Runde mit Aziz Belkhodja zusammen, einem Kunsthistoriker und Schriftsteller aus Tunis, der das punische Karthago als Projektionsfläche für seine Science Fiction Geschichten sieht.

Szenische Skizze
Doch davor Thugga: in einer 20-minütigen szenischen Skizze führt die Figur der Elise Barka, dargestellt von Marion Hackl, in einer theatralischen Fiktion die kleine Schar von Mitreisenden und Einheimischen durch das Weltkulturerbe der römischen Ruinenstadt. Wie in einer historischen Langzeitbelichtung bannt sie als Elise Barka die Gefühlswelt der Nachfahren Didos in ihre Choreographie.

Die Szenerie könnte unterschiedlicher nicht sein. Wenn am 24. April 2009 das Gletscherschauspiel Hannibal am meterhoch verschneiten Rettenbach Gletscher zum neunten Mal tausende Zuschauer in seinen Bann zieht, wird in der ehemaligen Kornkammer Roms, im Norden Tunesiens, der Weizen das hügelige Land in ein unbeschreibliches Grün tauchen.




<< zurück


Dido in Tunis

Dido in Tunis